6.–15. März 2020 17. Internationales

Klezmer Festival Fürth

Jewish Music Today

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Resumée

Internationales Klezmer Festival Fürth

Auch das 17. Internationale Klezmer Festival Fürth geht aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig zu Ende.

Die Gesundheitsbehörden empfehlen die Vermeidung von Sozialkontakten und die Absage von Veranstaltungen mit mehr als 100 Besucher/-innen. Das ist für das Kulturamt Fürth ein Grund, die weiteren Termine im Rahmen des Internationalen Klezmer Festivals Fürth abzusagen.
Bereits erworbene Karten für die kommenden Veranstaltungen können an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden, an denen sie gekauft wurden.

Das Festival, das am letzten Freitag mit einem schwungvollen Tusch der Lokalmatadoren Klezmaniaxx vom Balkon der Fürther Rathauses eröffnet wurde, hat bis Mittwoch rund 1700 Besucher/innen mit Konzerten, Klezmer-Brunch, Workshops, Filmen und Führungen angelockt.

Festival stand von Beginn an unter dem Corona-Stern:

Schon vor Beginn des Festivals musste das Boarisch-Jiddische Danzl-Hoyz abgesagt werden, wegen der hohen Interaktion der teilnehmenden Besucher/-innen. Die drei eingeladenen israelischen Bands Yamma, Jewish Monkeys und auch die Sängerin Victoria Hanna, die auf dem diesjährigen Plakattitel zu sehen war, sagten ihre Auftritte vorzeitig ab, da sie nach einem Beschluss der israelischen Behörden bei ihrer Wiedereinreise nach Israel in Quarantäne gemusst hätten. Hals über Kopf verließen auch die amerikanischen Musiker um den virtuosen Klarinettisten Michael Winograd am Donnerstag das Festival, um noch schnell in die USA einreisen zu können. Sie waren als Hintergrundband für den kanadischen Singer-Songwriter Geoff Berner gebucht. Dieser hätte notfalls auch alleine gespielt.

Das gibt es nur beim Internationalen Klezmer Festival Fürth: Spontanes Miteinander

Angereist ist dagegen Socalled aus Kanada. Zwar ohne weißen Bühnenanzug und ohne rote Hosenträger – sein Koffer ist auf dem Flug verloren gegangen – aber das hätte dem Konzert mit der Thilo Wolf Big Band am Freitagabend keinen Abbruch getan, hatte das Festivalteam doch schon ein neues Gitzerjacket und der Trompeter der Band weiße Schuhe angeboten. Bei einem ersten Zusammentreffen der Musiker gestern in der Musikschule Fürth war eine ungemeine Spielfreude zu erleben. Erstmals kam die Thilo Wolf Big Band mit Klezmer-Musik in Berührung. Begeisterung war zu spüren, angesichts der jiddischen Lieder, die Socalled der Band kraftvoll entgegenschmetterte. Wie gemeinsames Musizieren verbinden kann, offenbarte das Festival in diesem Jahr besonders eindrucksvoll. Gleich am Eröffnungsabend fragte die Band Midwood von der Bühne herunter, ob noch weitere Klezmer-Musiker im Saal wären. Die Band um Michael Winograd, die vorher gespielt hatte, ließ sich nicht lange bitten und so spielten sie gemeinsam eine spontane Abschluss-Session, zu der das Publikum im Saal miteinander tanzte. Auch am Samstag abend trafen sich Musiker/-innen verschiedener Festivalbands zu einer gemeinsamen Jam-Session im Kulturforum, da ja das Boarisch-Jiddische Danzl-Hoyz ausfiel. Teilnehmer/-innen der Klezmer-Workshops sowie ein paar spontane Gäste tanzten dazu jiddische Tänze.

Auch ernste Töne:

Bei dieser Festivalausgabe gab es erstmals politische Töne. Festivalleiterin Gerti Köhn plädierte in ihrer Eröffnungsrede für mehr Zivilcourage, die norddeutsche Band Yxalag thematisierte in ihrem Kinderstück „Milos und die verzauberte Klarinette“ die Selbstverständlichkeit von Migration und Wandel und stimmte zum Abschluss des Abendkonzertes mit dem Publikum den Kanon „Shalom“ für den Frieden an. Auch die Grande Dame des jiddischen Liedes, Shura Lipovsky, erstmals beim Festival in Fürth dabei, demonstrierte ihr politisches und soziales Engagement auf der Bühne. Sie engagiert sich mit der Organisation „musicians without borders“ für den Frieden in der Welt. Für Vielfalt standen die Musiker/-innen und die Auswahl des Programms. Vom klassischen Klezmer über frische, freche Interpretationen, jiddische Lieder und Klezmer-Jazz (letzteres glänzend vertreten durch Michael Heitzler’s Klezmer Band) war alles dabei.

Leider muss – coronabedingt - auch die Veranstaltung mit dem jüdischen Rapper Ben Salomo über Antisemitismus im Rap entfallen, die dem Festivalmotto „Alles töfte!?“ einen Diskussionsraum gegeben hätte.

Dennoch vermittelt das Internationale Klezmer Festival Fürth eine klare Botschaft – nämlich sich offen über Grenzen hinweg zu begegnen, miteinander zu singen, zu tanzen, zu feiern und sich für ein friedliches Miteinander einzusetzen. Das ist mit dieser Ausgabe des Festivals – auch wenn sie vorzeitig beendet wurde - gelungen!